Die Community mit 19.492 Usern, die 9.168 Aquarien, 35 Teiche und 66 Terrarien mit 168.229 Bildern und 2.580 Videos vorstellen!
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:
26.06.2010 von Kulleraugen-Fan

Allgemeines zu Bakterien und Anderes (Teil sechs)

Filterreinigung

Das wohl am meisten kontrovers diskutierte Thema. Die vorherrschende Meinung ist aber die, dass man die Filter so weit wie möglich in Ruhe lassen sollte und nur bei sichtbarer Verschmutzung (starker Rückgang des Wasserdurchflusses) reinigen sollte.

Als Begründung wird angeführt, dass man durch eine Reinigung ja die Filterbakterien reduziert. Gleichzeitig wird meist auch noch empfohlen möglichst gro??e Filtervolumen zu haben, um eine lange Standzeit zu erreichen. Hört sich schlüssig und richtig an, aber gibt es da nicht auch noch eine andere Seite der Medaille?

Ich zähle nur mal die wichtigsten 3 Punkte auf.

1. Filterbakterien = Nitrifikationsbakterien.

Hier fängt meist schon der erste Irrtum an. Im Filter sitzen nicht nur Nitrifikationsbakterien. Filtermaterial ist Substrat. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Es ist falsch anzunehmen, dass Nitrifikationsbakterien als substratgebundene Bakterien die Einzigen sind, die sich darauf ansiedeln.

Je mehr Substrat (je grö??er das Filtervolumen), desto mehr Bakterien können darauf leben, allerdings nicht die Nitrifikationsbakterien, diese sind so sehr abhängig von der Menge ihrer angebotenen Nahrung, dass sie sich eben NICHT vermehren, nur weil ihnen Platz angeboten wird.

Andere substratgebundene Bakterien, die sich nicht so sehr auf eine Nahrungsquelle spezialisiert haben, sind da im Vorteil. Immer wieder wird der böse Keimdruck, also die Gesamtanzahl der Bakterien im Becken, als schädlich angesehen. Die sehr gro??e Quelle des Keimdruckes, nämlich der Filter und vor allem der gro??e Filter, wird meist in diesen ??berlegungen gar nicht mit einbezogen. Man könnte einwenden, dass die Fische ja nicht mit dem Filtermaterial in Berührung kommen, also dass das egal ist, was sich da im Filter tummelt. Dies würde ich nicht so unterschreiben. Bakterien können durchaus aus dem Filter austreten, ist ja kein Gefängnis.

Das bei einer Filterreinigung auch Nitrikikationbakterien entfernt werden, ist logisch. Aber angenommen, man zerstört bei dieser Reinigung 50% dieser Bakterien. Da es 24 Stunden dauert, bis sich die langsamsten Nitrifikationsbakterien geteilt haben, ist nach spätestens 24 Stunden die alte Anzahl der Nitrifikationsbakterien wieder vorhanden.

2. Wenn der Wasserdurchfluss schon stark nachlässt, ist das Filtermaterial schon recht verschlickt. Aber wie sehen die Lebensbedingungen in so einem verschlickten Fitermaterial denn für die Nitrifikationsbakterien aus?

Eins vorweg: Alles andere als gut.

Wasser ist faul, es geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. In verschlicktem Filtermaterial kommt es zur Kanalbildung, d.h. es werden nur gewisse Anteile des Materials durchströmt, Bereiche mit starker Verschlickung werden überhaupt nicht mehr durchströmt. Und je mehr die Verschlickung zunimmt, desto mehr Bereiche werden von der Wasserzufuhr abgeschnitten. Kein Wasser ??? keine Nahrung, kein Sauerstoff ???Tod der Nitrifikationsbakterien in diesem Bereich. Auf der anderen Seite sind diejenigen Bereiche wo noch Wasser durchflie??en kann durch die erhöhte Flie??geschwinigkeit des Wassers (je enger die Kanäle werden, desto höher die Flie??geschwindigkeit des Wassers) für die Nitrifikationsbakterien auch kontraproduktiv. Wie schon vorher erwähnt, soll die beste Anströmgeschwindigkeit zwischen 5 und 10cm/ min liegen. Also verringert sich die Abbauleistung in einem verschlicktem Filtermaterial. Von daher muss man sich wirklich die Frage stellen, welchen Anteil der Filter mit einem verschlicktem Filtermaterial nun wirklich an der Nitrifikation hat?

Dass in diesen Becken der Nitritwert n.n beträgt, ist kein Beweis für die Abbauleistung im Filter selber. Denn Nitrifikationsbakterien siedeln sich dort an, wo sie die besten Lebensbedingungen haben. Ist es halt nicht der Filter, weil verschlickt, siedeln sie sich eben woanders an. (Bodengrund, Deko etc.).

3. Jetzt kommt noch etwas zum Tragen, was erst in neuerer Zeit erkannt wurde. Nitrifikationsbakterien sind nicht nur Nitrifizierer, sondern auch Denitrifizierer (da komme ich später noch genauer drauf zu sprechen).

Normalerweise besteht ein gewisses Gleichgewicht zwischen Nitrifikation und Denitrifikation.

Aber je länger die Nitrifikationsbakterien so ohne Störung (Filterreinigung) vor sich hinwuseln können, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieses Gleichgewicht verschieben kann.

??berwiegen die Nitrifizierer, sinkt die KH und der ph-Wert. Im ungünstigsten Fall kommt es zu einem bakteriell bedingten Säuresturz. Dieser ist zwar absolut selten, aber im Gegensatz zur oft vertretenden Meinung kein Märchen.

??berwiegen die Denitrifizierer geschieht etwas anderes. Die KH und der pH-Wert steigen.

Aufgrund dieser und anderer Gründe erachte ich eine regelmä??ige Filterreinigung unabhänging vom Durchfluss, als sinnvoll. Dies ist aber meine ganz eigene Sichtweise.

Ich will hier niemanden bekehren, dies genauso zu machen.

Von daher noch mal der Hinweis: ich habe meinen Weg gefunden, wie ich mein Hobby betreibe. Ich behaupte nicht, dass mein Weg der Einzig richtige ist und alles andere nicht funktioniert.

Titel: Allgemeines zu Bakterien und Anderes (Teil sechs) (Artikel 3388)

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Alles über Terrarium-Vernebler: Funktionsweise und Anwendung
Tom am 10.05.2024

Alles über Terrarium-Vernebler: Funktionsweise und Anwendung

Terrarien sind faszinierende Miniaturwelten, die uns einen Einblick in die Vielfalt der Natur bieten. Doch um die richtige Umgebung für unsere exotischen Mitbewohner zu schaffen, bedarf es mehr als nur ein paar Pflanzen und Substrat. Die Luftfeuchtigkeit spielt eine entscheidende Rolle im Wohlbefinden vieler Terrarientiere, insbesondere solcher, die

Korallen-Krankheiten: Diagnose und Behandlung
Tom am 02.01.2025

Korallen-Krankheiten: Diagnose und Behandlung

Korallen gehören zu den faszinierendsten Lebewesen in Meerwasseraquarien und sind ein wichtiger Bestandteil jedes Riffbeckens. Doch trotz ihrer Schönheit und ihrer Bedeutung für das biologische Gleichgewicht sind Korallen auch anfällig für verschiedene Krankheiten. Für Aquarianer, die ihr Riff gesund und stabil halten wollen, ist es von entscheidender

Wie sollte die Filteranlage für den Koi-Teich ausgelegt sein?
Tom am 25.07.2023

Wie sollte die Filteranlage für den Koi-Teich ausgelegt sein?

Die Häufigkeit des Umwälzens eines Koi-Teiches hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Größe des Teiches, der Anzahl der darin lebenden Koi, der Wassertemperatur, dem Filter- und Pumpensystem sowie der Wasserqualität. Im Allgemeinen sollte das Wasser im Koi-Teich regelmäßig umgewälzt und gefiltert werden, um eine optimale Umgebung

Ichthyologie: Flossen und Flossenformeln genauer betrachtet
Tom am 05.01.2025

Ichthyologie: Flossen und Flossenformeln genauer betrachtet

Die Welt der Aquaristik ist voller faszinierender Details, und eines der bemerkenswertesten Merkmale von Fischen sind ihre Flossen. Sie sind nicht nur optisch beeindruckend, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle für das Überleben, die Fortbewegung und die Kommunikation der Tiere. In diesem Artikel werfen wir einen genauen Blick auf die verschiedenen

Was ist dran an der Kritik an Zierfischbörsen?
Tom am 10.03.2023

Was ist dran an der Kritik an Zierfischbörsen?

Zierfischbörsen sind Veranstaltungen, auf denen Hobbyisten ihre Zierfische kaufen und verkaufen können. Diese Veranstaltungen finden oft in Messehallen oder anderen öffentlichen Einrichtungen statt und ziehen eine breite Palette von Menschen an, von Hobbyisten bis hin zu professionellen Züchtern. Allerdings gibt es auch Kritik an Zierfischbörsen,