
Der Europäische Aal: Fisch des Jahres 2025
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) wurde zum Fisch des Jahres 2025 gewählt. Diese Auszeichnung richtet den Fokus auf eine faszinierende, aber stark bedrohte Fischart, die über Jahrtausende in europäischen Gewässern heimisch war und aufgrund vielfältiger Bedrohungen heute dringend Unterstützung benötigt.
Ein Meister des Wandels: Der Europäische Aal
Der Europäische Aal ist ein außergewöhnlicher Fisch mit einem komplexen Lebenszyklus. Er gehört zur Familie der Flussaale (Anguillidae) und hat einen langgestreckten, schlangenähnlichen Körper, der ihn an seine Umgebung hervorragend anpasst. Seine Haut ist schleimig und schützt ihn vor Austrocknung, was ihm sogar erlaubt, kurze Strecken über Land zurückzulegen.
Aale schlüpfen in der Sargassosee im Atlantik aus winzigen Eiern und driften als Larven über den Golfstrom bis zu den Küsten Europas. Dort entwickeln sie sich zu Glasaalen, wandern in Flüsse und Seen und verbringen viele Jahre ihres Lebens als sogenannte „Gelbaale“ in Binnengewässern. Am Ende ihres Lebens machen sie sich als „Blankaal“ auf den Weg zurück zur Sargassosee, um dort zu laichen – ein einzigartiges Naturphänomen.
Warum der Titel?
Die Wahl zum Fisch des Jahres soll auf die dramatische Situation des Europäischen Aals aufmerksam machen. Seine Bestände sind seit den 1970er-Jahren um über 90 % zurückgegangen. Der Aal gilt laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „vom Aussterben bedroht“. Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen:
Lebensraumverlust
Querbauwerke wie Staudämme und Wehre blockieren die Wanderwege der Aale. Besonders kritisch sind fehlende Aufstiegshilfen, die den Zugang zu Laich- und Nahrungsgebieten versperren.
Fischerei
Sowohl der Fang von Glasaalen als auch der gezielte Fang größerer Exemplare gefährdet die ohnehin schwindenden Bestände. In einigen Regionen wird der Aal immer noch als Delikatesse gehandelt.
Klimawandel
Veränderungen der Meeresströmungen, steigende Wassertemperaturen und andere klimatische Einflüsse beeinträchtigen die Laichwanderungen und die Entwicklung der Larven.
Parasiten
Der aus Asien eingeschleppte Schwimmblasenwurm (Anguillicola crassus) schwächt die Aale und verringert ihre Überlebensfähigkeit auf der langen Wanderung zur Sargassosee.
Verleihung und Zielsetzung
Die Wahl zum Fisch des Jahres wird in Deutschland vom Deutschen Angelfischerverband e.V. (DAFV), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Gesellschaft für Ichthyologie e.V. (GfI) und dem Verband Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST) koordiniert. Seit 2023 können auch Bürgerinnen und Bürger in einer öffentlichen Onlineabstimmung mitentscheiden. Der Aal wurde 2025 mit über 56 % der Stimmen zum Fisch des Jahres gewählt.
Ziel der Auszeichnung ist es, die öffentliche Wahrnehmung für die bedrohte Art zu schärfen und Maßnahmen zum Schutz ihrer Lebensräume zu fördern. Dazu zählen unter anderem:
- Die Schaffung durchgängiger Wanderwege in Flüssen und Seen.
- Ein besseres Management der Fischerei, insbesondere durch Schutzgebiete und Fangquoten.
- Projekte zur Wiederansiedlung des Aals in geeigneten Gewässern.
Der Aal im kulturellen und ökologischen Kontext
Der Aal hat nicht nur eine ökologische Bedeutung, sondern auch kulturelle und wirtschaftliche Relevanz. Über Jahrhunderte war er ein wichtiger Bestandteil der europäischen Fischerei und Gastronomie. Gleichzeitig spielt er in Mythen und Volksgeschichten eine Rolle, oft als mystisches Wesen, das die Verbindung zwischen Land und Wasser symbolisiert.
Im Ökosystem ist der Aal ein Schlüsselakteur. Als Räuber und Aasfresser trägt er zur Regulierung von Fischpopulationen bei und sorgt für die Reinigung von Gewässern.
Ein Appell an die Zukunft
Die Auszeichnung „Fisch des Jahres“ ist ein Weckruf, sich für den Erhalt des Europäischen Aals einzusetzen. Sie erinnert uns daran, dass der Schutz der Natur gemeinschaftliches Engagement erfordert. Durch Renaturierungsprojekte, nachhaltige Fischereipolitik und Bewusstseinsbildung können wir dazu beitragen, dass der Europäische Aal nicht nur eine Erinnerung an vergangene Zeiten bleibt, sondern auch künftige Generationen seine außergewöhnliche Lebensweise erleben können.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de
Bildquelle: David Perez, Anguilla anguilla 01 by-dpc, CC BY 3.0