
Mauersegler - Der unermüdliche Meister der Lüfte
Der Mauersegler (Apus apus) ist ein bemerkenswerter Vogel, der fast sein ganzes Leben in der Luft verbringt. Mit seinen sichelförmigen Flügeln, dem stromlinienförmigen Körper und der Fähigkeit, monatelang zu fliegen, ohne zu landen, ist er wie geschaffen für ein Leben zwischen den Wolken. Obwohl er auf den ersten Blick wie eine Schwalbe aussieht, gehört er zur Familie der Segler (Apodidae) und unterscheidet sich in seiner Lebensweise grundlegend.
Mauersegler sind in ganz Europa verbreitet und kehren jedes Jahr im Mai aus ihren Winterquartieren in Afrika zurück. Sie verbringen nur die Sommermonate hier, um zu brüten und ihre Jungen großzuziehen. Danach beginnt ihre außergewöhnliche Reise in den Süden, bei der sie bis zu 10.000 Kilometer zurücklegen.
Wie schläft ein Vogel im Flug?
Eine der erstaunlichsten Fähigkeiten des Mauerseglers ist sein Schlafen im Flug. Dies ermöglicht es ihm, monatelang in der Luft zu bleiben, ohne Rastplätze aufsuchen zu müssen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Mauersegler eine Art „Halbschlaf“ praktizieren, bei dem sie eine Gehirnhälfte ruhen lassen, während die andere weiterhin aktiv bleibt. Dieses als unihemisphärischer Schlaf bekannte Phänomen ist auch bei einigen Meeressäugern wie Delfinen bekannt.
In großen Höhen, oft mehrere Hundert Meter über dem Boden, fliegen Mauersegler in weiten Kreisen und nutzen die Thermik, um Energie zu sparen. Während sie so „schlafend fliegen“, behalten sie die Kontrolle über ihre Flugbahn und können Hindernissen ausweichen.
Warum landen sie nicht?
Der Körperbau des Mauerseglers ist perfekt an das Leben in der Luft angepasst. Seine langen, schmalen Flügel ermöglichen schnelles und ausdauerndes Fliegen, während seine Beine verkümmert sind und ihm kaum erlauben, am Boden zu laufen. Auf dem Boden ist er daher äußerst verletzlich und vermeidet es, zu landen, wann immer es möglich ist.
Ein Leben in der Luft - Nahrung, Trinken und mehr
Mauersegler verbringen bis zu zehn Monate im Jahr ausschließlich in der Luft. Sie ernähren sich von sogenannten Luftplankton, einer Mischung aus winzigen Fluginsekten und Spinnen, die sie in der Luft fangen. Sogar ihre Flüssigkeitsaufnahme erfolgt im Flug, indem sie Regentropfen aus der Luft trinken oder über Oberflächen gleiten, um Wasser aufzunehmen.
Ihre Fluggeschwindigkeit ist beeindruckend: Sie können bis zu 200 Kilometer pro Stunde erreichen und täglich Hunderte von Kilometern zurücklegen, um Nahrung zu suchen.
Brutzeit: Der einzige Grund, festen Boden zu betreten
Die Brutzeit ist die einzige Phase, in der Mauersegler festen Boden brauchen. Sie nisten bevorzugt in Spalten von Gebäuden, unter Dachvorsprüngen oder in Felsspalten. Beide Elternteile beteiligen sich am Bau des Nestes, das aus Federn, Pflanzenfasern und Spinnweben besteht, die sie im Flug sammeln. Die Jungen bleiben etwa 6 Wochen im Nest und sind nach dem Ausfliegen sofort flugfähig.
Bedrohungen und Schutzmaßnahmen
Der Mauersegler ist durch den Verlust seiner Nistplätze stark gefährdet. Moderne Gebäude bieten oft keine Spalten oder Nischen mehr, die als Brutstätten genutzt werden könnten. Auch Renovierungsarbeiten an Altbauten zerstören oft unabsichtlich vorhandene Nistplätze.
In Deutschland steht der Mauersegler unter Schutz und ist als streng geschützt eingestuft. In vielen Regionen ist jedoch ein Rückgang der Bestände zu verzeichnen, insbesondere in städtischen Gebieten.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de